Aber das kann man doch gar nicht vergleichen!

Superheldenfilm nach Superheldenfilm. Marvel ist überall, der Plan für die nächsten drölfzig Jahre sicher, DC will auch was vom Kuchen und macht ähnlich große Pläne. Trailer zu Suicide Squad: alle drehen durch. Trailer zu Superman vs. Batman: nicht ganz so viele drehen durch, aber doch einige. Antman im Kino: alle jubeln und vergeben Höchstwertungen. Gerade las ich wieder von einem vormals skeptischen Kinogänger, der dem Film eine 9 von 10 gibt. Also nahezu makellos. Aber dazu kann ich nichts sagen, habe ich schließlich noch nicht gesehen. Viel Interessanter sind aber auch die Relationen, in denen hier diskutiert wird.

Neulich führte ich auf Twitter eine kleine Diskussion. Jemand war enttäuscht von aktuellen Blockbustern und tätigte folgende Aussage: „Ich hoffe Blockbuster-Kino wird irgendwann wieder kreativ&aufregend&atemberaubend sein.“ Es führte alles dazu, dass ich sinngemäß schrieb, ich würde mir die ganzen Marvelfilme anschauen und hätte Spaß dabei, die jedoch alle ihre Probleme und Macken hätten (z.B. den chronischen Mangel an guten Bösewichten). Es folgte der unausweichliche Verweis auf den zweiten Captain America und die Frage, was man daran auszusetzen haben könnte (ehrlich gesagt kann ich mich an keine einzige Szene erinnern, was dann vielleicht schon als Makel angesehen werden könnte), und, wenn mich der schon nicht restlos überzeugt, was denn bitte ein besserer Superheldenfilm sei. Und diese letztere Aufforderung lese ich irgendwie immer wieder und wieder.

Nun ist für mich die große Frage: Warum darf ich Superheldenfilme (Jetzt hätte ich fast „Superherdenfilme“ geschrieben. Wäre doch auch eine schöne Bezeichnung für Avengers.) nur mit Superheldenfilmem vergleichen? Ist es nun schon ein Genre für sich? Definiert „Superheldenfilm“ nicht den Inhalt, während ein Genre sich tendentiell eher auf die Form bezieht? Ich meine man kann mit Superhelden Komödien, Horrorfilme, Dramen usw. machen. Aber „Superhelden“ sagt mir ja primär nur was über die Figuren aus, vielleicht ein paar Themen, die immer wieder auftauchen, einige Muster, wie z.B. die berühme Origin Story. Oder sind die strikten Marvelvorgaben für den generischen Superheldenfilm nun verbindlich für ein Genre? Dann passen doch aber die humorlosen DC-Filme nicht in das Schema. Ich würde die ja alle mehr oder minder unter Action verbuchen (auch wenn z.B. im ersten Thor die Action wahnsinnig schlecht ist). Und wenn es letztendlich alles Actionfilme sind, kann ich die doch auch mit anderen Actionfilmen vergleichen. Gut, dann komme ich halt immer zu der Feststellung, dass „Stirb langsam“ besser ist. Und wer in diesem Jahr mehr als dreimal im Kino war, wird auch feststellen, dass „Fury Road“ besser ist als „Age of Ultron“. Aber deswegen habe ich ja nicht weniger Spaß mit den Superhelden.

Aber ich allein werde aus der Geschichte sowieso nicht schlauer. Viele scheinen es ja nicht so zu mögen, wenn ihr Lieblingsding als nicht makellos angesehen wird. Man soll ja auch ruhig abfeiern, was gefällt. Warum man nun aber Superhelden nur mit Superhelden vergleichen darf? Vielleicht gehen ja mitlerweile Leute tatsächlich ins Kino um Superhelden zu sehen und was anderes interessiert gar nicht. Keine Ahnung, vielleicht kann es mir ja jemand erklären. Bei Filmwahl nach Thema muss ich mir nur immer wieder vorstellen, wie jemand vor seinem DVD-Regal steht, sagt „Heute hab ich Lust auf Nazis!“ und fröhlich zu „Schindlers Liste“ greift.

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Anmerkung

Ich finde es übrigens erstaunlich, dass sich, obwohl ich so wenig schreibe, doch immer wieder Leute hier her verirren. Irgendwie ist es ja doch erfreulich, wenn man sich die Statistik anschaut und tatsächlich was passiert ist. Bei unserem Podcast gibt es auch jeden Tag Downloads, ich feiere und wundere mich immer wieder darüber, dass sich Leute für meinen Quark interessieren. Gute Welt, machst du fein.

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Muss man Musikhören lernen?

Heute diskutierten wir, wie man Menschen an Musik heranführen kann. Das einfache „Hier hör mal, ist total super!“ funktioniert ja leider nur bedingt, weil die meisten Leute dann sowieso nicht reinhören. Da frage ich mich erstmal warum das so ist. Für mein mp3-Archiv habe ich eine heitere Playlist, die nur Sachen abspielt, die ich noch nicht gehört habe. Shuffle an und schon wird zumindest überall mal reingehört. Wenn etwas gefällt, kann man das ja noch seperat und ausführlicher hören. Doch wurde ich da für dumm erklärt. Man müsse sich ja eine Band, ein Album oder ein Lied lange erarbeiten und es geht ja nicht, dass man es einmal hört und dann sofort weiß, ob man es mag oder nicht. Und natürlich sagt einem nicht alles sofort zu. Aber man hat doch eine grobe Ahnung oder man entdeckt Elemente, die Lust auf mehr machen. Es muss ja nicht sofort die große Begeisterung ausbrechen, aber es kann ja Interesse geweckt werden.

Unsere Diskussion nahm dann noch ein wenig groteske Züge an. Aus dem Erarbeiten von Musik kam der Gedanke, man könne ja auch nicht einfach ein Buch lesen, wenn man nicht lesen kann. Muss man ja auch erst lernen. Wenn man also jemandem, der sich nicht weiter für Musik interessiert, als das Radio anzuschalten, „richtige“ Musik gibt, kann der die ja gar nicht verstehen, ohne sich das zuerst zu erarbeiten. Weil derjenige ist ja so ungeübt im Hören dieser anspruchsvolleren Musik. Also ja, man muss sich in manche Dinge erst reinhören. Aber wieder: Man hat doch trotzdem eine Ahnung. Die kann falsch sein, der Geschmack entwickelt sich ja auch weiter. Aber generell muss ich doch nicht lernen Musik zu hören, um daran Spaß zu haben. Auch mit kompletter Unkenntnis der Musik kann sie doch irgendwas in mir ansprechen.

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So richtig gute Musik

In letzter Zeit hatten wir mal wieder einige Debatten über Musik. Einmal ist es ja immer wieder erstaunlich, dass jeder meint Ahnung zu haben. Ständig lese ich herabwürdigende Kommentare der Art „Ich sollte den Kindern mal zeigen, was richtige Musik ist!“ oder Blogs bei denen es heißt „Ich schreibe über gute Musik!“. Irgendwie hat jeder die Weisheit mit Löffeln gefressen und weiß ganz genau – und vor allem als einziger – was so richtig gute Musik ist.

Nun habe ich hier meine elitären Musikschulschnösel. Fordern Perfektion und möglichst komplizierte Kompositionen. Alles, was nur den üblichen Standarts gerecht wird, ist langweilig und darf nicht sein. Standart Akkordfolge? Naserümpfen. Sound nicht perfekt glattgebügelt? Klingt nach Schrott. Sänger kann nicht richtig Singen? Irks!

Also gute Produktion ist ja prima und komplizierte, untypische Strukturen auch. Klassikeinflüsse in Rockmusik sind ja auch wunderbar. Aber das kann ja nicht alles sein. Ist alles perfekt durchkomponiert, bleibt kein Platz für Spontanität. Bei Technischer Perfektion bleibt oft genug das Gefühl auf der Strecke. Da habe ich doch lieber ein paar schiefe Töne, wenn die dafür den Moment einfangen. Oder man braucht halt wahnsinnige Musiker, die bei allem Gefrickel mit ihrem Instrument zu verschmelzen drohen. Oft genug spielt der „Dilletant“ zumindest charmanter, als derjenige, der komplizierte Zeug spielt, weil er es kann. Genauso der perfekte Sound. Wozu alles glattbügeln, wenn es letztendlich besser klänge, wenn man die Band einfach live aufnimmt. Und überhaupt: Die Stimmung! Wenn die finstere Metalband einfach nur finster klingt um finster zu klingen ist das doch irgendwie absurd. Wenn schon wütend, dann aus Überzeugung und mit viel Energie. Mit viel Herzblut ist doch auch egal, ob man nun alle Töne trifft. Und da ist auch noch die Frage: Wenn es denn nur um gutes Handwerk geht, ist es dann überhaupt Kunst? Soll Musik eigentlich Kunst sein?

Unsere nächste Fraktion interessiert sich dann quasi gar nicht für musikalische Qualitäten. Texte sind zentrales Element! Da frage ich mich, warum „Musiker“ die primär Texte vermitteln wollen, nicht einfach Bücher schreiben. Aber zurück zum textaffinen Konsumenten. Was passiert da mit instrumentaler Musik? Man hört ja auch oft genug die Frage: „Wie da singt keiner? Warum soll ich mir das dann anhören?“ Weil Musik spannend ist und Gesang nur ein Teil von Musik ist. Also tolle Texte hin oder her, wenn die Musik nicht stimmt, brauche ich sie in der Form nicht.

Aber nun meckere ich über diese Meinungen und stimme ihnen aber eigentlich auch zu. Da kommt nämlich der Punkt: Es hat doch alles seine Daseinsberechtigung. Weil ich das eine mag, ist ja das andere nicht besser. Alberner, pompöser Metal mit Fantasygeschichten und der traurige Junge mit der Gitarre schließen sich ja nicht aus. Es sollte halt beides nicht langweilig werden. Dabei haben sie gleichermaßen das Potantial dazu. Die perfektionistischen Gniedler, die doch irgendwie auf jedem Album gleich klingen (sie haben halt ihren Stil gefunden), während sich die Fans vielleicht noch an winzigen Feinheiten erfreuen. (Und Diskussionen wie „Du kannst doch Power-Metal-Band-XY nicht mit Power-Metal-Band-YZ vergleichen! Die arbeiten doch mit ganz anderen Harmonien usw..“) Während der Junge mit seiner Gitarre einfach nicht anders kann, als sich wieder und wieder zu wiederholen. Aber es hat ja so viel Charme…

Letztendlich kann man nur auf Bands und Musiker hoffen, die die Mitte finden und irgendwie alles einigermaßen ansprechend hinbekommen. Oder man baut sich ein riesige Musikarchiv, wo man für jede Gelegenheit die passende Musik findet. Und am besten hört man sich einfach mal Sachen an, bevor man meckert. Vielleicht entdeckt man Qualitäten, die man in seiner Wahrnehmung sonst nicht beachtet.

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Schreiben wir mal wieder.

Da sind wir wieder. Die letzten Monate widmete ich mich eher dem gesprochenen Wort, doch kommt so langsam immer öfter wieder der Drang, auch hier wieder zu schreiben. Es ist ja doch etwas anderes, hier Gedankeb zu ordnen oder mit den wahnsinnigen am Mikrofon zu debattieren.

Erstaunlicherweise ist so weit alles in Butter. Der linke Arm ist ein wenig… Schrott, aber das wird schon wieder. Ansonsten gestaltet sich die Existenz wenig beklagenswert. Da kann man ja fast schon über das Wetter reden… nein, so langweilig ist es dann doch nicht. Man weiß ja sich zu beschäftigen. So spielte ich fleißig Bloodborne und The Witcher 3 (beides ganz wunderbare Spiele), begann ein Drehbuch zu schreiben (und bringe es hoffentlich bald zu Ende), mache ein wenig Musik usw..

Der Podcast findet auch ganz, ganz langsam ein Publikum. Zumindest wenn man den Downloadzahlen glaubt, Rückmeldungen halten sich leider noch in Grenzen. Da kann ich nur weiter bewerben. Los Leute! Hört, Kommentiert und Bewertet! (Am besten gut 😉 ) Irgendwie haben wir schon ein Jahr geschafft und dabei, je nach Zählweise, 74 bzw. 47 Episoden veröffentlicht. Ist schon ganz ordentlich. Und qualitativ ist es angeblich auch ganz okay. Mal sehen wie das nächste Jahr wird, wenn 1/3 der Stammbesetzung in Japan ist. Wird hoffentlich eher besser, dank der Auslandsberichterstattung.

Etwas über ein Jahr sind nun auch Patenkind und Hund und beide entwickeln sich prächtig. Aber ich halte noch immer jeden für wahnsinnig, der mir ein Patenkind andreht. Immerhin kann ich einmal im Leben so tun, als wäre ich ein wenig erwachsen. Trotzdem sehr, sehr komisch. Fortpflanzung…

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Hatte ich das nicht alles schon einmal?

Zuerst eine Warnung: russisches Bier ist gefährlich!

Nun versuche ich mal meine Gedanken zu ordnen. Trotz des russischen Bieres.
Im Prinzip geht es um Introvertierte. Und genauer um diese „Bedienungsanleitung„. Was habe ich damit nun für ein Problem? Also abgesehen davon, dass „We like big ideas and theories.“ wahnsinnig eingebildet klingt (nur weil du introvertiert bist, macht dich das noch lange nicht zu einem großen Denker), macht es mich irgendwie traurig. Einmal das es offensichtlich Leute gibt, die solch eine Erklärung brauchen.  Für alle, die sowas brauchen: Liebe Leute, es gibt Menschen, die anders sind als ihr. Das ist nicht schlimm und ihr müsst einfach akzeptieren, dass sie sind wie sie sind. Wenn ihr jemandem sagt, ihr ertragt seine Eigenheiten nicht und wollt daher nicht unnötig viel Kontakt mit demjenigen haben, ist das schon ok. Man muss nicht jeden mögen. Lässt man die Leute halt in Ruhe.
Dann macht mich aber ebenso traurig, dass alle für irgendwas ein Label brauchen. Ich habe mich gewiss schon öfter darüber ausgelassen, daher kurz: Ich verstehe es nicht, warum alle eine Gruppe brauchen. Also eine klar definierte. Reicht es nicht, Leute zu haben, die man mag und die einen mögen? Muss man sich Metaller, Gothic, Introvertierter oder Homosexueller auf die Stirn schreiben? Kann man nicht einfach sagen „Guten Tag, mein name ist Berta. Bitte lerne mich kennen und akzeptiere, wie ich bin.“? Ob ich jemanden mag hat ja nichts mit dem Label zu tun. Selbst wenn jemand völlig introvertiert ist, bedeutet das ja nicht, dass wir nicht ähnliche Interessen, Ansichten usw. haben können. Gut, vielleicht brauche ich mehr Gesellschaft aber man kann sich ja an den Bedürfnissen des anderen orientieren. Und wenn mir dann jemand sagt, nicht zur großen Party gehen zu wollen, trifft man sich an einem anderen Tag und macht etwas anderes.
Aber dieses ewige Schubladendenken… als würde man ohne Gruppenzugehörigkeit sterben.

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Hausarbeit

Es ist schon lustig: ich sollte eine Hausarbeit über ein japanisches Theaterstück schreiben. Aus Gründen blieben mir noch zwei Wochen Zeit. Eine Woche verbrachte ich damit, eine Fragestellung und eine Originalausgabe des Stückes zu finden. Originalausgabe gefunden, ungefähr die Hälfte des Stückes fehlt. Seit der Uraufführung 1747 wurde es halt nur noch teilweise aufgeführt, der Rest wird dann wohl als unwichtig erachtet. Schreibe ich dem Dozenten eine Mail und frage, ob ich die verschiedenen Fassungen vergleichen könne, um die Auswirkungen der Kürzungen auf das Stück zu untersuchen. Keine Antwort. Mache ich das halt, ist ja sowieso keine Zeit mehr für eine Planänderung. Quellen: die deutsche Ausgabe (immerhin ausführlich kommentiert und analysiert), die unvollständige japanische Ausgabe und zwei oder drei Lexikonartikel mit allgemeinen Informationen. Für eine Hausarbeit im Master eigentlich ein Witz, rein von der Menge her. Habe ich also irgendwie eine Hausarbeit zusammengeschraubt. Lustig: verweise mal jemand auf Stellen in einem Buch, die halt gekürzt wurden. Vergleiche Seite gibt es nicht mehr? So kamen vielleicht zwei Verweise auf den Originaltext zustanden. Die Lexikonartikel wurden in der Einleitung abgehandelt. Alles ein riesiges Drama und mit der Zeit rechnete ich fest damit, durchzufallen. Neulich schaute ich nochmal rein und sah, dass ich auf der ersten Seite direkt den Namen des Stückes falsch schrieb. Elend überall. Nun schaute ich mal wieder nach meinen Noten und sah ein solides „gut“. Verrückte Welt. So weit ich mich erinnere habe ich nur 15 Seiten lang rumgepöbelt, warum diese japanische Ausgabe nicht zum wissenschaftlichen Arbeiten taugt. Vielleicht habe ich ja wenigstens gut argumentiert.

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