Deadpool

Neulich war ich mal wieder im Kino. Nach der ganzen Aufregung war ich ja doch ein wenig auf Deadpool gespannt. Und an sich war der auch erstmal recht nett. Doch umso mehr man drüber nachdenkt, desto mehr ist irgendwie falsch an dem Film.
Ich meine, anfangs werden schön alle Klischees, die später bedient werden, aufgezählt. Total ironisch und clever. Nur was bring es, wenn genau diese Elemente später komplett ernstgenommen werden? Man veralbert die CGI-Figur und später soll ich bei der tollen Action, in der diese vorkommt, mitfiebern. Deadpool selber schreit mir den gesamten Film über ins Gesicht, dass es ein Film ist. Warum macht er sich dann Sorgen, seine Liebste könnte ihn wegen seinen „hübschen“ Gesichts nicht mehr mögen? Warum sagt er sich nicht „Hey, es ist ein Film! Am Ende bekommt der Held immer das Mädchen, egal wie kacke er aussieht!“? Warum hält man sich so wehement an der generischen Handlung fest, anstatt genau die zu veralbern? Warum erklärt nicht z.B. Deadpool seinem Gegenspieler, wie man nicht genregemäß als Bösewicht zuverhalten hat, damit man auf keinen Fall Gefahr läuft innovativ zu werden? Was bringt mir die Popkulturreferenz, wenn sie nur genannt wird und man keinen Witz draus macht? Ist aktuelle der Humor tatsächlich so rückständig, dass es reicht etwas aufzuzählen, damit der Zuschauer sich denkt „Ha! Das kenne ich auch! Voll witzig!“?  Warum fragt Deadpool, ob er nun zu Patrick Steward oder James McAvoi gebracht wird? Wäre es nicht viel witziger gewesen, wenn sie ihn zu Professor X gebracht hätten und einfach beide kurz dumm in die Kamera glotzen? Wieso will man das Genre pardoieren, wenn man nicht den Mut hat, humortechnisch mit den Parodien der 80er und 90er mitzuhalten? So liefen Humor und Handlung irgendwie unabhängig voneinander ab. Aber die ernst gemeinte Handlung musste wohl sein, weil der ganze Film ja so furchtbar gewagt war. Die Fans haben ja nur seit Jahren erklärt, wie sie den Film haben wollen und beim aktuellen Superheldenhype war es garantiert kein großes Risiko, den Film zu machen. Aber ja, der ist ja so furchtbar brutal und es gibt so expliziten Sex… gerade in Deutschland waren ja alle erstaunt, wie der nur eine 16er-Freigabe bekommen konnte. Also ich weiß ja nicht. Irgendwie gab es in den letzten Jahren genug Filme, mit expliziterer Gewalt (und nackte Menschen sind ja bei uns sowieso kein Problem), die sich außerdem noch ernst genommen haben. Wenn mir ständig erklärt wird, dass ich einen Film schaue, können sie von mir aus Leute zerhacken, wie sie wollen. Fehlte eigentlich nur eine Szene, in der die Schauspieler aufstehen und heim gehen. Und was heißt denn schon ein R-Rating in den USA? Bei Filmstarts.de gab es neulich eine Übersicht, über die 25 erfolgreichsten Filme, mit der Einstufung. Alles ganz große Dinger, 170 Millionen Dollar aufwärts. Da war es bestimmt schrecklich ungewiss, dass Deadpool seine 58 Millionen wieder einspielt…
Aber gut, die Welt führt sich lieber auf, wie der Typ, der im Kino neben mir saß, und schreit bei jeder Szene „WOOOOOOOOOOOOOOOWWWWWWWWW!!!“, als hätten sie noch nie eine so schöne CGI-Explosion gesehen. Immerhin kommt eine Fortsetzung. Vielleicht trauen sie sich da mal wirklich was. Und das einzig wirklich schlimme ist ja, dass sich in Hollywood momentan tatsächlich sonst keiner sowas traut. Irgendwie schon traurig. Da ging früher mal mehr.

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13 Antworten zu Deadpool

  1. samba schreibt:

    Man kann ja sagen was man will, aber er macht sich für sein Format an den Kinokassen ganz ordentlich. Hat es gerade in die Top-10 der erfolgreichsten Comic-Verfilmungen geschafft und lässt dabei ein paar andere bekannte Helden-Figuren hinter sich.
    http://www.boxofficemojo.com/genres/chart/?id=comicbookadaptation.htm

    • samba schreibt:

      Aber klar innovativ ist die Handlung dabei natürlich trotzdem nicht. Aber das erwarte ich von großen Blockbuster-Produktionen generell nicht mehr (siehe Star Wars 7).

      • Der Punkt ist ja auch nicht, ob die Geschichte innovativ ist. Star Wars macht halt das, was es verspricht. Deadpool tut so, als wolle es den Film als Film entlarven, Klischees aufzeigen und parodieren. Und das Konzept ziehen sie halt nicht durch, weil sie parallel dazu immer die absolut konservative Geschichte völlig ernst nehmen, wo ich halt, rein vom Ansatz her, erwarten würde, dass sie die eben auch parodieren. Aber nein, man braucht eine ernste Liebesgeschichte und einen ernsthaften Kampf gegen das Böse, einen klassischen Aufbau. Wenn sie im Intro schon das CGI-Monster als solches „enttarnen“ warum machen sie nichts draus? Der Ansatz sagt „wir machen uns über uns selbst lustig“ und genau diese Punkte, die man scheinbar veräppeln will, werden später viel zu ernst genommen. Da ist einfach unglaublich viel verschenktes Humorpotenzial, während zwei Konzepte nebeneinander herlaufen, anstatt ordentlich ineinander zu greifen. Das stört mich halt. Star Wars 7 wollte Star Wars sein und hat genau das gemacht. Der hat mir nie einreden wollen, mehr zu sein.

      • Oder halt das Ding mit der Liebesgeschichte: Als Zuschauer werde ich ständig mit der Nase drauf gestoßen, dass das ja alles nur ein Film ist. Deadpool selber weiß, dass alles nur ein Film ist. Und dann ist da Deadpool, der plötzlich furchtbar Angst davor hat, seiner Liebsten zu begegnen, weil er scheiße aussieht, und ich soll mitfühlen. Obwohl ich weiß, dass in einem Film der Held immer die Frau bekommt. (Was ja dann Deadpool vermutlich auch weiß und da er ja in einem Film ist…) Das passt nicht wirklich gut zusammen. entweder lasse ich die Illusion der Geschichte und möchte, dass der Zuschauer mitfühlt, oder ich parodiere konsequent alles.

    • Erfolg sagt aber auch nichts über Qualität aus.

      • samba schreibt:

        Am Ende dreht sich alles ohnehin nur um Erwartungshaltung und Geschmack. Das äußert sich ja ebenso auf den hiesigen Bewertungsportalen.

      • Wenn man aber alles mit Erwartungshaltung und Geschmack abtut, braucht man am Ende gar nicht über Filme zu reden. Zumindest nicht über ein „Hat mir (nicht) gefallen“. Und ich finde es tatsächlich interessant zu hinterfragen, warum mir ein Film gefallen hat oder eben nicht. Zumal ein „Ich sehe da und da Probleme“ ja nicht bedeutet, dass mir der Film keinen Spaß gemacht hat. Aber klar, man kann sich auch berieseln lassen, sagen, dass es nett war, und nie wieder dran denken. Finde ich nur eben langweilig.

  2. samba schreibt:

    Deadpool ist außerdem keine Parodie. Sondern tatsächlich ein generischer Superhelden-Film mit Deadpool in der Hauptrolle. Gerüchteweise soll den Machern eine gute Adaption der Comic-Vorlage gelungen sein. Und mehr wollte dieser Film am Ende tatsächlich auch nicht sein.

    • Er macht sich halt über sich und andere Superheldenfilme lustig (siehe z.B. das komplette Intro). Und selbst wenn man es nicht Parodie nennen möchte, bleibt meine Behauptung, dass die Albernheiten die dramatischen Szenen eher behindern, als hilfreich zu sein.
      Der Punkt mit der Adaption ist eigentlich auch irrelevant. Wenn das schon so in den Comics ist, mag das gut umgesetzt sein, macht es aber auch nicht besser.
      Woran machst du das eigentlich fest, dass die nur einen generischen Superheldenfilm machen wollten? Auf mich wirkt er da halt einfach zu ambitioniert und selbstironisch.

      • Und mich würde es auch gar nicht wundern, wenn meine Punkte vor allem durch Kompromisse mit dem Studio zustande kamen. Das hat sich ja ewig gesträubt.

      • samba schreibt:

        So ist der Charakter einfach auch in den Comics angelegt. Nur weil er sich bewusst ist, dass er ein fiktiver Charakter ist, steht er nicht über den Dingen sondern wird wie jeder andere Charakter auch den Umständen ausgesetzt, die der Autor konzipiert. Er hat trotzdem einen Auftrag zu erfüllen und kann ebenso in emotionalen Verwicklungen stecken und weiß noch nicht, was als nächstes mit ihm passiert. Er ist wegen der Fähigkeit die 4. Wand zu durchbrechen tatsächlich ein sehr zynischer Charakter.

        Und wenn man im Film versucht hätte auf einer Metaebene mehr sein zu wollen als das Filmprojekt und der Charakter hergibt, hätte man sich vermutlich verhoben. Stattdessen haben sie einfach eine angemessene Adaption für die Kinoleinwand produziert.

        Ich kann aber verstehen, dass man die Dramaturgie unter den gegeben Umständen entweder nicht ernst nehmen oder aber sich eben emotional nicht angesprochen fühlen kann.

      • Erstmal nochmal kurz zurück zur Parodie. Wikipedia sagt mir: „Deadpool became an action comedy parody of the cosmic drama, antihero-heavy comics of the time.“ bzw. in der deutschen „Als Running Gag wurden viele aktuelle Filme bzw. Serien parodiert und häufig die Vierte Wand durchbrochen. In dieser Kult-Serie wurden auch Deadpools (widerwillige) Helfer eingeführt, die zynische Greisin Blind Al und das feige Genie Weasel. Kelly meinte später dazu, dass die Deadpool-Serie ständig kurz vor dem Aus stand, und er daher absurde Einfälle einbauen konnte.[1] In Deadpool #11 z. B. produzierte Kelly eine Panel-für-Panel-Parodie des Spider-Man-Comics Amazing Spider-Man #47 (1966), in die Blind Al durch Zeitreise hinein geworfen wird und Deadpool ihr nachreist.“ Also die scheint da schon drin zu sein.

        Aber zurück zu dir: Dann mag das die Vorlage so hergeben, ändert aber nichts daran, dass der Humor teilweise dazu führte, dass ich die dramatischen Szenen nicht wirklich ernst nehmen bzw. mitfiebern konnte. Aber es soll ja auch Comics geben, die nicht makellos sind und da würde es mich vermutlich auch stören. Zumal man halt auch mit ein paar Witzen, die stilistisch zum Rest gepasst hätten, das Problem hätte entschärfen können. Er hätte ja auch das Publikum fragen können, warum er nun eigentlich Angst davor hat, sich seiner Liebsten zu zeigen, weil er weiß, wie das im Film läuft usw.. Wie gesagt, so stand mir der Humor der Dramatik im Wege und wenn die sowieso nur so halbgar funktioniert, kann man sich auch drüber lustig machen.

      • Samba schreibt:

        Wenn die Wikipedia das sagt wird es wohl stimmen. Und dass das Filmstudio eine Romanze als Kompromiss gefordert hat ist wohl nicht unwahrscheinlich.

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