Erwartungshaltung

Neulich las ich ein Interview mit dem guten Tom Mes, in dem er u.a. zu der Situtation des japanischen Kino, auch im globalen Rahmen, sieht. Er sagte, man müsse japansiche Filme im Westen nicht als explizit japanisch vermarkten, sondern zuerst als Filme. Denn, wenn man immer nur die Nischen und Klischees bedient, komme man aus genau denen nicht raus. Prinzipiell möchte ich ihm da zustimmen, doch höre ich dann auch immer wieder diese Leute… Man soll es primär als Film vermarkten, aber Film heißt doch für die allermeisten: Hollywood. Jeder Film muss aussehen, schmecken und riechen wie Hollywood. Hat man ein anderen Verständnis von Schauspielerei: Blöd! Hält sich die Geschichte nicht an die gewohnte Dramaturgie: Blöd! Die Effekte sind nicht perfekt: Blöd! Das Budget war nur zehn Millionen Dollar und nicht 200? Blöd! Anders ist immer super, nur sollte es bitte nicht zu anders sein. Eine freundliche, aber völlig belanglose, französische Komödie geht gerade noch. Die hat wenigstens ein anständiges Happy End und überrascht auch sonst nicht. Aber man kann sich sein „Ich schaue nicht nur Hollywoodschrott!“-Label anheften. Wieder mal anders sein, ohne aus der eigenen Komfortzone kommen zu müssen. Lieber nochmal Fack ju Göhte 2 abfeiern, weil der mit Waterboardingwitzen so wahnsinnig politisch unkorrekt ist. Sowas hat die Welt noch nicht gesehen. Und dann regt man sich auf, wenn bei Charlie Hebdo geschmacklose Witze über tote Flüchtlinge kommen. Also wenn Fack ju Göhte und Til Schweiger das größte sind, was wir haben, hätten wir ausländische Filme generell umso nötiger. Oder sollten anfangen, die guten deutschen Filme, die es ja zu geben scheint, entsprechend größer unter die Leute zu bringen. Aber bloß nichts versuchen. Bloß nichts langwierig aufbauen. Lieber schnell, schnell noch ein paar Euro mit irgendwelchem Müll einsacken. Aber zurück zu Tom. Das Interview ist schon ein paar Jahre alt und ich bin mir nicht sicher, ob sich seit dem viel getan hat. Aber generell befürchte ich, muss man den Leuten noch ein paar Jahre erklären, dass Hollywood nicht das Maß aller Dinge ist und es völlig egal ist, woher ein Film kommt und ob ich die Schauspieler kenne. Aber gut sein interessiert ja nicht. Hauptsasche man bekommt, was man erwartet.

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