So richtig gute Musik

In letzter Zeit hatten wir mal wieder einige Debatten über Musik. Einmal ist es ja immer wieder erstaunlich, dass jeder meint Ahnung zu haben. Ständig lese ich herabwürdigende Kommentare der Art „Ich sollte den Kindern mal zeigen, was richtige Musik ist!“ oder Blogs bei denen es heißt „Ich schreibe über gute Musik!“. Irgendwie hat jeder die Weisheit mit Löffeln gefressen und weiß ganz genau – und vor allem als einziger – was so richtig gute Musik ist.

Nun habe ich hier meine elitären Musikschulschnösel. Fordern Perfektion und möglichst komplizierte Kompositionen. Alles, was nur den üblichen Standarts gerecht wird, ist langweilig und darf nicht sein. Standart Akkordfolge? Naserümpfen. Sound nicht perfekt glattgebügelt? Klingt nach Schrott. Sänger kann nicht richtig Singen? Irks!

Also gute Produktion ist ja prima und komplizierte, untypische Strukturen auch. Klassikeinflüsse in Rockmusik sind ja auch wunderbar. Aber das kann ja nicht alles sein. Ist alles perfekt durchkomponiert, bleibt kein Platz für Spontanität. Bei Technischer Perfektion bleibt oft genug das Gefühl auf der Strecke. Da habe ich doch lieber ein paar schiefe Töne, wenn die dafür den Moment einfangen. Oder man braucht halt wahnsinnige Musiker, die bei allem Gefrickel mit ihrem Instrument zu verschmelzen drohen. Oft genug spielt der „Dilletant“ zumindest charmanter, als derjenige, der komplizierte Zeug spielt, weil er es kann. Genauso der perfekte Sound. Wozu alles glattbügeln, wenn es letztendlich besser klänge, wenn man die Band einfach live aufnimmt. Und überhaupt: Die Stimmung! Wenn die finstere Metalband einfach nur finster klingt um finster zu klingen ist das doch irgendwie absurd. Wenn schon wütend, dann aus Überzeugung und mit viel Energie. Mit viel Herzblut ist doch auch egal, ob man nun alle Töne trifft. Und da ist auch noch die Frage: Wenn es denn nur um gutes Handwerk geht, ist es dann überhaupt Kunst? Soll Musik eigentlich Kunst sein?

Unsere nächste Fraktion interessiert sich dann quasi gar nicht für musikalische Qualitäten. Texte sind zentrales Element! Da frage ich mich, warum „Musiker“ die primär Texte vermitteln wollen, nicht einfach Bücher schreiben. Aber zurück zum textaffinen Konsumenten. Was passiert da mit instrumentaler Musik? Man hört ja auch oft genug die Frage: „Wie da singt keiner? Warum soll ich mir das dann anhören?“ Weil Musik spannend ist und Gesang nur ein Teil von Musik ist. Also tolle Texte hin oder her, wenn die Musik nicht stimmt, brauche ich sie in der Form nicht.

Aber nun meckere ich über diese Meinungen und stimme ihnen aber eigentlich auch zu. Da kommt nämlich der Punkt: Es hat doch alles seine Daseinsberechtigung. Weil ich das eine mag, ist ja das andere nicht besser. Alberner, pompöser Metal mit Fantasygeschichten und der traurige Junge mit der Gitarre schließen sich ja nicht aus. Es sollte halt beides nicht langweilig werden. Dabei haben sie gleichermaßen das Potantial dazu. Die perfektionistischen Gniedler, die doch irgendwie auf jedem Album gleich klingen (sie haben halt ihren Stil gefunden), während sich die Fans vielleicht noch an winzigen Feinheiten erfreuen. (Und Diskussionen wie „Du kannst doch Power-Metal-Band-XY nicht mit Power-Metal-Band-YZ vergleichen! Die arbeiten doch mit ganz anderen Harmonien usw..“) Während der Junge mit seiner Gitarre einfach nicht anders kann, als sich wieder und wieder zu wiederholen. Aber es hat ja so viel Charme…

Letztendlich kann man nur auf Bands und Musiker hoffen, die die Mitte finden und irgendwie alles einigermaßen ansprechend hinbekommen. Oder man baut sich ein riesige Musikarchiv, wo man für jede Gelegenheit die passende Musik findet. Und am besten hört man sich einfach mal Sachen an, bevor man meckert. Vielleicht entdeckt man Qualitäten, die man in seiner Wahrnehmung sonst nicht beachtet.

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