Sprachwandel und Prioritäten

„…und dann habe ich erstmal realisiert, daß ich seit 12 Jahren nicht mehr auf Hawaii war.“ Da rege ich mich schon wieder auf. „Realisieren“ ist eines dieser Wörter, bei denen man einmal drauf aufmerksam gemacht wird, daß sie jeder falsch benutzt und plötzlich hört und sieht man es überall und regt sich drüber auf. „Sinn machen“ ist auch so ein Kandidat. „Realisieren“ bedeutet nunmal „etwas in die Tat umsetzen“ und nicht „etwas begreifen/verstehen“ und einen Sinn kann man nicht machen, er ist da oder auch nicht. Und weil es ja alle machen, werden solche Begriffe so lange falsch benutzt, bis sie im Duden stehen und was im Duden steht ist wahr. Dabei wird vergessen, wie der Duden funktioniert: Da gibt man nicht vor, was richtig ist, sondern es wird dokumentiert, wie Sprache benutzt wird. Sind wir also alle zu dumm, etwas richtig zu benutzen, kapituliert man seitens des Duden und übernimmt diesen falschen Gebrauch. So steht da mitlerweile auch „Tschüß“ als „Tschüs“, was totaler Quatsch ist, da es nicht der Aussprache entspricht. Aber dafür lesen wir es jetzt so in Filmuntertiteln und gewöhnen und dran und irgendwann glauben wir alle, es wäre nie anders gewesen. Toll sind auch Sachen wie Solos oder Atlasse, als umgangssprachlich werden auch Kaktusse akzeptiert. Weist man dann jemanden darauf hin, kommt nur als Antwort: „Das ist halt der Sprachwandel, finde dich mit ab.“ Also quasi: „Wir sind doof und finden das super.“ oder „Warum etwas richtig machen, wenn es auch falsch geht?“
Vielleicht, und da kommen wir zum nächsten Punkt, bekommen die Leute auch ihre Sprachen einfach nicht mehr auseinander. Im Internet läuft vieles auf Englisch, Filme und Serien schaut man ja sowieso nur im Original (so lange es ebenso Englisch ist), Bücher liest man auch auf Englisch. Sowieso ist alles auf Englisch besser. Jemand sagte mir mal, er höre Podcasts nur auf Englisch, weil die besser sind, und wenn ich einen Film oder eine Serie in einer anderen Sprache schaue, solle ich die englischen Untertitel bevorzugen, denn die seien besser als die deutschen Untertitel. Also spielt sich für viele ihr halbes Privatleben auf Englisch ab. Bis sie dann glauben, ihr Englisch sei besser, als ihr Deutsch (bei wenigen mag das sogar zutreffen). Und so kommt die große Verwirrung. Neulich hörte ich den Satz „…und dann hat er das Promise gebrochen“ und das man „awkward“ benutzen muss, weil es dafür keine gute Übersetzung gibt, versteht sich von selbst. Im Internet wird selbstverständlich auch jeder angemault, wenn er kein anständiges Englisch schreibt. Von Leuten deren Wortschatz, in ihrer Muttersprache, stark gen Null strebt.
Versteht mich nicht falsch, es ist wunderbar Fremdsprachen zu beherrschen. Aber dazu gehört z.B. auch, daß ich etwas nicht nur verstehe, sondern auch übersetzen kann. Wenn ich Worte wie „Versprechen“ vergessen habe, sollte ich mich nicht darüber beklagen, nicht ständig Englisch sprechen zu können, sondern mich vielleicht auch einfach mal wieder mit meiner Muttersprache beschäftigen. Alle schimpfen drauf, weil man dies und das nicht sagen kann und selber bewegen sie sich sprachlich auf den Niveau eines Fünftklässlers. Ich bin ganz sicher nicht perfekt, mit meinem Deutsch (bestimmt findet man allein in diesem Text 1200000000 Rechtschreibfehler), aber ich versuche wenigstens in der Sprache, die ich gerade spreche/schreibe, einen halbwegs stimmigen und sinnvollen Text zustande zu bringen. Es bringt doch nichts, 12 Sprachen bunt zu mischen, wobei hinterher nur wirrer Quatsch bei rauskommt, den niemand versteht oder überhaupt verstehen möchte.
Und wieder schrieb ich Quatsch, von dem ich glaube, ihn schon erwähnt zu haben. Ich bitte das zu entschuldigen. Ich muss mein Hirn ausmisten, von Gedanken, die nichts mit meiner Arbeit zu tun haben, damit ich mich den Rest des Tages nicht damit beschäftigen muss. Was raus ist, ist raus.

Edit: Im Prinzip kann man das aber auch alles darauf zurückführen, daß man eben dazu neigt Dinge, ohne sie zu hinterfragen, übernimmt, weil es eben alle so machen. Passiert jedem, es ist halt bequem.

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