Ich sah in die Ferne, oder so ähnlich.

Warnung vor dem Spoiler! Aber es geht nur um die ersten 4 Folgen Game of Thrones, die hat sowieso jeder gesehen.

Habe ich also wieder diskutiert, über Dinge, welche mich aufregen. Ich reg mich ja so gern auf… und wieder eines meiner Lieblingsthemen, der letzten Monate: Game of Thrones. Irgendwer kommt drauf, ich sage automatisch: „Könnte ich ja auch mal weiter schauen.“ Es folgt die übliche Frage: „Ja, wie weit bist du denn?“ und ich komm dann mit meiner Folge-3-Antwort. Warum ich denn nicht weiter schaue? Weil ich die ersten Folgen für einen riesigen, dampfenden Haufen Scheiße halte. Empörung! Erkläre ich mich also: es passiere ja quasi nichts und es werden nur Unmengen Figuren eingeführt und abgesehen von ein paar Gewalt- und Sexszenen gebe es höchsten noch den einen oder anderen heiteren Spruch und da wäre nichts, weshalb ich das Gefühl haben sollte, diese Serie weiter schauen zu wollen.

Es folgen unweigerlich zwei Argumente:

1. Es ist halt wahnsinnig komplex, da müsse das so ein und das ist ja in den Büchern auch so und ich soll mich mal nicht so anstellen, kann ja die Serie nichts dafür, wenn ich für solch komplizierten Dinge zu doof bin.

2. Aber der Junge wird doch aus dem Fenster geschmissen! (Heute mit dem wunderbaren Zusatz: „Wie viele Jungs sollen denn bitte noch aus dem Fenster geschmissen werden?“)

Zu 1.: Mich stört ja nicht die Komplexität sondern der Mangel an Geschichte. Außerdem ist dieses „das ist komplex und im Buch auch so und das muss alles so sein“ ganz großer Quatsch. Es ist eine Verfilmung eines Buches, in Form einer Serie. Da muss man sich auch mal an gewisse Konventionen des Mediums halten (schon allein wegen seiner Form, an der man eben nicht viel ändern kann) und ich erwarte von einer Serie, daß ich nach der ersten Folge auch die zweite sehen möchte, um zu erfahren, wie es wohl weiter geht. Wenn man nun eben eine komplexe Vorlage hat, muss man eben klug erzählen können. Oder man macht es wie hier, liefert erstmal 2-3 Stunde Käse ab und hofft, daß sich möglichst wenig Leute so darüber aufregen, wie ich das mache. Aber allein durch die Leser der Bücher (die ja den zähen Anfang als gegeben hinnehmen, ohne es zu hinterfragen, ob das in einer Serie sein muss) ist ja ein gewisses Publikum sicher und die werden schon noch genug anderen gesagt haben, daß es später besser wird (predigt man mir ja auch immer und immer wieder).

Und wie ich heute (als ich Folge 4 sah) feststellte, fehlt es mir auch an Emotionalität: jede Figur hat eine Hand voll Szene, in denen nicht viel passiert, und das, was passiert, berührt mich nicht, weil ich noch gar keine Gelegenheit hatte, irgendeine emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen. Kurz gesagt: Ihr Schicksal geht mir am Popo vorbei.

Und da kommen wir zu 2.: Es wird auch das eine Mädchen an den komischen Kriegertypen verschachert. Beides durchaus krasse Ereignisse, nur (siehe direkt drüber) ist es mir egal, weil beliebige, gesichtslose Leute.

Jetzt sah ich also Folge 4 und es hat sich nicht viel geändert. Nur merke ich eben, wie die Geschichte ganz langsam ins Rollen gerät, ich bekomme ein Gefühl für die Figuren, finde manch einen toller, andere weniger, aber es ist mir zumindest nicht mehr komplett egal, ob denen jetzt einer den Kopf abschneidet, oder so. Ich habe Hoffnung und zumindest mal ein wenig Lust, den Rest zu sehen.

Und noch ein Gedanke zum zähem, schlecht geschriebenem Quark in Serien:

Ich habe kürzlich auch mal ein Stück weit The walking dead gesehen. Also nebenbei laufen lassen. 50% der Serie sind ja nur Füllepisoden, in denen mehr oder weniger nichts passiert. Hier war es genau anders: der Anfang hat Spaß gemacht, ich hatte Lust auf mehr und dann ewig nichts. Da kommen Erinnerungen an großartige Animes wie Dragon Ball Z hoch. Die Serie wurde ja vor einiger Zeit neu aufgelegt. Ohne Füllfolgen (also 100 Folgen kürzer, oder so). Früher war das auch kaum zu ertragen und es wurde/wird trotzdem von den Fans gefeiert. Bei Naruto soll es wohl nicht besser sein… Aber ich schweife ab. (Hab ich schon erwähnt, daß die alte Liebe zu japanischen Animationsfilmen/-serien wieder da ist? Egal, dazu später mehr.) Zurück zu amerikanischen TV-Serien: ich erinnere mich noch mit Freuden daran, als vor einigen Jahren der große Serienhype losging und alle schrien, Serien seien ja jetzt viel besser als Filme, weil man ja viel umfangreichere Geschichten erzählen könne usw.. Aber (abgesehen davon, das der Vergleich Unsinn ist) in der Zeit, die z.B. The walking dead mit überflüssigen Zeug füllt, schaue ich doch lieber 12 gute Filme.

Aber irgendwie ist es ja auch bequem: Man kommt abends nach der Arbeit/Uni/Schule heim, will entspannen und dann gibt es eben die neuesten Abenteuer der bekannten und liebgewonnenen Menschen. Auch wenn die diesmal vielleicht gar nicht so abenteuerlich sein mögen, man schaut halt mal wer sich mit wem streitet und wer diesmal vom Zombie gebissen wird, isst nebenbei sein Abendessen, plaudert mit dem Partner/der Partnerin und lässt sich berieseln. Beim berieseln wären echte Abenteuer auch störend, da verpasst man ja alles und wenn ich mir einen Film anschaue, geht der ja 2 Stunden und die sind vollgepackt mit Action und Drama und wenn dann der geliebte Mann von seiner unglaublich spannenden Arbeit erzählen möchte, verpasse ich noch wer der Mörder war und ob der Vater nun tatsächlich mit der Tochter…

 

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4 Antworten zu Ich sah in die Ferne, oder so ähnlich.

  1. monsterklatsch schreibt:

    Die antwort ist aber doch ganz einfach: Wenn sie Dir nicht gefallen, sieh sie Dir nicht an.
    Ja, dann kann man ab und zu mal nicht mitreden, aber dafür rettet man sich davor freud- und nutzlose Inhalte in verschwendete Lebenszeit hinein zu pumpen.
    Ich mag die Serie SEHR gern. Aber das mag auch wieder daran liegen, dass ich sie, wie auch die Bücher, im original konsumiere. Als ich kürzlich meinen Schatz in der Klinik besuchte und wir gemeinsam warteten, haben wir dort im TV eine synchronisierte Fassung gesehen. Wirklich schade.
    Aber zurück zum Thema: Ich habe in meinem Leben einen sehr lieben Menschen, der nicht „Der Herr der Ringe“ mag. Na, und? Ich habe es bestimmt schon X – mal gelesen und liebe das Buch. Es gefällt nicht? Dann klapp es zu und leg es weg. Ob es nun am Genre, dem emetionalen Zugang zu den Charakteren oder der Farben der Kostüme liegt: Lass Dich nicht in die Ecke drängen Dich rechtfertigen zu müssen. Das hast Du nicht nötig. Es sei denn, die entstehende Diskussion ist für dich nicht freud- und sinnlos.

    • Mir geht es da gar nicht drum mitreden zu können. Es ist eher so, das Leute auf deren Geschmack ich vertraue sagen, es würde mir gefallen und rein von den Schauspielern, dem Setting und allem möchte ich die Serie mögen und ich merke ja auch, das es besser wird. Aber der Anfang… und ja, ich schaue es auch auf Englisch, daran liegt es nicht.

      • monsterklatsch schreibt:

        Dann hier noch eine Ratschlag:
        Mein Schatz, hatte eine Serie die sie ganz toll fand. Mich hat sie nur einfach nicht gestört. Auf der Couch eingekuschelt mit meinem Lieblingsmenschen war die Serie dann schön.
        Lad Dir jemanden zum Gucken ein. Ein lieber Mensch im Arm und ungesundes in den Magen-Darm-Trakt und vielleichts geht’s, bzw. hat man Freude an Der Serie, die eben noch doof war.
        Allerdings muss man dann doch manchmal eine Folge noch einmal nach gucken, wenn es zu intensiv mit der Zweisamkeit wurde.

    • Das Ding ist halt auch: du jat die Bücher gelesen, hast einen Bezug zu den Figuren und kannst alles einordnen. Ich sah erstmal 3 Stunden 1000 lose Enden, die alle nicht ausgereift genug waren, um mich zu packen. Mit mehr Kontext und Charakterentwicklung kann das alles für mich noch ganz toll werden.

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