Spaß = Qualität !?

Es ist ja immer wieder das gleiche Elend: jemand findet etwas toll, jemand anderes findet es doof, ersterer jemand weint.
Man könnte dies natürlich auf unterschiedliche Geschmäcker schieben, aber ist es denn so einfach? Ich befürchte fast, daß da mehr dahinter steckt. Klar, man könnte sagen „Ist doch egal, was jemandem Freude bereitet, Hauptsache er hat Spaß.“ und so ist es auch. Der Punkt ist viel eher, daß Leute immer glauben, alles was ihnen Spaß macht, müsse also zwangsweise gut sein und sofort beleidigt sind, wenn man ihnen erklärt, was daran nicht stimmt. Und es gibt ja oft genug zumindest einige Punkte, die man durchaus objektiv bewerten kann.
Prominentes Beispiel aus dem Bereich Videospiele: Kingdom Hearts. Millionen Menschen/Mädchen zerfließen vor entzücken und wollen mich regelmäßig erhängen, wenn ich den zumindest den ersten Teil als spielerisch schlecht hinstelle. Es hat unbestreitbar seine Fehler. Es ist teilweise unübersichtlich, die Steuerung könnte besser sein usw.. Kaum einer, der sich halbwegs nüchtern mit dem Spiel beschäftigt und sich etwas auskennt, würde bestreiten, daß hier einiges schlecht umgesetzt wurde. Die Fehler sind unbestreitbar da, die Frage bleibt nur, ob einen das stört. Man könnte ja sagen „Ja, das stimmt, stört mich aber nicht. Ich habe trotzdem Spaß dran.“ und fertig ist die Laube. Aber so einfach machen es einem die Fans nicht, man muss erhängt werden, weil man das heilige Spiel beleidigt hat.
Ich habe auch neulich mal ein paar Stunden Final Fantasy 13 gespielt. Anfangs tut man in dem Spiel was? Man drückt nach oben, gelegentlich die A-Taste und schaut sich Videosequenzen an. Später wird es angeblich besser, so weit konnte ich mich aber noch nicht durchkämpfen. Da war damals Pong anspruchsvoller. Aber sag bloß nichts dagegen, die Fans werden dich töten.
Ein weiteres Beispiel: Game of Thrones. Ebenfalls ein grausiger Anfang. Stundenlang werden quasi nur Charaktere eingeführt. Manch einen stört es nicht, wieder andere mögen es, weil es dicht am Buch ist. Sagt man jedoch, daß man auf sowas keine Lust hat, wird man beleidigt und hat ja nur wieder keine Ahnung.

Ich bekomme da immer das Gefühl, daß Menschen nicht zugeben können, ihre Zeit mit etwas zu verbringen, daß nicht perfekt ist. Ich liebe z.B. Doctor Who, welches neulich von jemandem sinngemäß als theatralischer Quatsch hingestellt wurde. Und natürlich hat er ein Stück weit recht. So manche Episode ist eher schlecht, es wird regelmäßig bis zum erbrechen auf die Tränendrüse gedrückt und der riesen Hype, der letzten Jahre, ist ziemlich übertrieben. Aber weil dieser Mensch deswegen keinen Spaß daran hat, hat er ja nicht weniger Ahnung als ich.
Oder zurück zu den Spielen: Ich habe hier gerade Sengoku Basara 3 und Warriors Orochi 3 liegen. Beides wahnsinnig stumpfer, alberner, anspruchsloser Quatsch. Aber es macht einen riesen Spaß. Findet das nun jemand doof, hat er recht. Dagegen kann ich nichts sagen.

Und das ist der Punkt: man kann doch auch mal mittelmäßigen Quatsch gut finden. Es muss nicht jeder Film ein künstlerisches Meisterwerk sein und es muss nicht jedes Buch ein literarisches Feuerwerk starten.
Da kommen wir auch direkt wieder zu zwei anderen Punkten:
1. Weil etwas erfolgreich ist, muss es nicht gut sein. Neulich wurde wohl bei DSDS erwähnt, Dieter Bohlen sei der größte Komponist Deutschlands, weil er mehr CDs verkauft hat als Johann Sebastian Bach. Oder so ähnlich, ich habe es mal wieder nicht gesehen. Aber es wird doch hoffentlich niemand bestreiten, daß Bach die anspruchsvollere, komplexere und wahrscheinlich auch, aus musiktheoretischer Sicht, bessere Musik geschrieben hat. Aber es ist nunmal so, daß Dinge, die für die Masse gemacht werden, nicht anspruchsvoll und gut gemacht sein müssen. Sie müssen funktionieren, von vielen verstanden werden und möglichst viele Geschmäcker treffen. Wenn das funktioniert, ist es auch wirtschaftlicher Sicht sicherlich gut, aber gemessen an dem, was man tatsächlich machen könnte, eher nicht. Wie das Poetry-Slam-Video neulich: es ist keine große Kunst, aber es funktioniert. Muss man halt beides anerkennen.

2. Wie kann man etwas besser finden, obwohl es gewöhnlicher ist?
Ich hatte neulich eine heitere Debatte über den Film Inception. Ich finde ihn grausig schlecht, weil er für mich nicht funktioniert. Für einen Actionfilm ist die Action zu langweilig. Für einen „Mindfuck“-Film ist er zu simpel. Für ein Drama sind die Charaktere zu blass. Es gibt Traumwelten, die aber allesamt langweilig sind (Weil es realistisch sein soll? Es ist ein Film, schei… auf Realismus, der soll unterhalten.). Zwei der Figuren scheint es nur zu geben, um die Welt zu erklären und so besteht der halbe Film auch nur aus Erklärungen, die unnötig sind und spätestens beim zweiten Mal anschauen einfach nur langweilen. Ich könnte ewig weiter machen. Nach der Diskussion kamen wir auf „Die Tribute von Panem“ und ich sagte, daß ich den ersten Teil mochte. Großes Entsetzen! Wie kann ich nur sowas gut finden, wenn ich Inception nicht mag? Inception traut sich doch viel mehr und ist weit weniger gewöhnlich. Ganz einfach: der Film funktioniert. Das, was er machen will, macht er ordentlich. Inception täuscht wahnsinnig viel vor, hält nichts davon ein und scheitert an allen Ecken und Enden. Dann schaue ich lieber einen Film, der weniger will und auch nicht vorgibt, mehr zu sein, und das dann wenigstens einhält.

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2 Antworten zu Spaß = Qualität !?

  1. michaelwagner1992 schreibt:

    Haha, das ist ein spannendes Thema, was du da anreißt.
    Im Prinzip bin ich der Meinung, dass jeder seine Meinung und Geschmack haben darf. Ist ja auch klar, da die ganze Persönlichkeit mit den eigenen Erfahrungen in so eine Wertung eingeht.
    Dagegen kann ich ja kaum etwas sagen, außer meine Sichtweise.
    Im Austausch sollte dann viel Feingefühl mitspielen.
    Aber ja, wenn ich etwas wirklich mag und darauf jemand einschlägt bin ich natürlich etwas traurig/schockiert/sauer. Das passiert besonders im Internet häufig, dass sie die Filmfans duellieren und alles persönlich nehmen x)

    Nein, weil etwas bekannter oder erfolgreicher ist, muss es wirklich nicht gut sein. Klar, wenn eine große Anzahl von Leuten etwas anschaut, kann es sein, dass Qualität dahinter steckt. Man ist ja immer auf der Suche nach dem Besten und das kann durch den Mainstream hervorgehoben werden. Aber bei der Vielfalt an Medien kann nicht alles gute an die Oberfläche kommen.
    Gerade Ältere Sachen werden nun immer mehr vergessen, was schade, aber auch ein naürlicher Vorgang ist. Das Entdecken macht mir persönlich sehr viel Spaß.

    Ich finde auch richtig, was du mit „Inception“ und den „Tributen“ sagst. Jeder Film hat seine eigenen Regeln, Erwartungen, Hintergründe. Man kann nicht alle gleich bewerten, zumal es auch noch einmal auf die persönliche Lage des Konsumenten ankommt.
    Bei mir ist es so, dass ich viele B-Movies sehr mag. Die Meisten rennen da schreiend weg und sagen, dass es Schund sei. Dabei gebe ich den Leuten auch teilweise recht.
    Nur gehe ich anders an die Filme heran, weswegen sie für mich sehr gut sind.

    • Im Internet sollte man ja sowieso besser nichts persönlich nehmen. Auch wenn ich mich über irgendwas aufrege und lautstark pöbel, merken die meisten schon nocht, daß es nicht zwingend 100%ig ernst ist und das ich meine Meinung nicht als allgemeingültiges Urteil sehe (auch wenn ich es manchmal so formuliere).
      Was die B-Movies angeht weißt du sicherlich ganz genau, was an denen gut und was schlecht ist. Das ist halt auch oftmals das Problem: wenn ich jemandem sage „bei dem Film sind die Dialoge langweilig gefilmt“, schauen die meisten nur doof und wissen nicht wovon ich rede. Es ist halt immer so: beschäftigt man sich mit einem Thema intensiver, fallen einem eben auch Sachen auf, die andere vielleicht nicht merken und wenn man sich dran stört, ist man der elitäre Schnösel, der immer alles nur doof findet. Aber sag mal jemandem „Hey, ich habe halt 1000 Filme mehr gesehen als du, ich habe da vielleicht eine andere Perspektive“. Da kommst du direkt in des Teufels Küche.

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