Gruppendynamik

Wir haben in der Uni also mal wieder Frischfleisch bekommen. Liebreizende Knabinnen und Knaben. Quasi ein ganzes Rudel. Und natürlich machen wir ein Erstiwochenende. Wir verreisen, halten Vorträge, schauen Filme, trinken, haben Spaß und man lernt sich besser kennen. Prima Plan, gerade wenn man neu ist kennt man ja noch nicht so viele Leute. Also fragte ich eines dieser reizenden Dinger, ob es nicht auch mitkommen wolle und es folgte eine recht interessante Antwort. Man habe ja schon ein Grüppchen gefunden, aus dem niemand mitkommt und von den anderen kenne man ja niemanden und mit Fremden ein Zimmer zu teilen ist ja komisch und vielleicht haben die ja auch schon ihre Grüppchen und vielleicht wollen die dann nichts mit einem zu tun haben und vielleicht sei man deshalb das Wochenende über allein und das sei ja gruselig.

Es ist doch immer wieder interessant: man kommt irgendwo an, findet eine Hand voll Menschen, mit denen man auskommt und dann bleibt man in dieser Herde. Keinen Kontakt zur Außenwelt, obwohl die Menschen dort vielleicht viel besser zu einem passen. Man weiß es ja nicht, denn man kennt sie ja nicht und man mag ihnen ja keine Chance geben. Menschen kennenlernen ist eben anstrengend und schwierig und mit einer Gruppe, von vielleicht 5-6 Menschen, ist man ja zeittechnisch sowieso schon ziemlich ausgelastet.

Mir ging es damals ähnlich: ich traf Leute, mit denen ich mich gut verstand und es bildete sich da entsprechend eine Gruppe. Auf andere wirkte das auch ein wenig arrogant (Missverständnisse, Menschen, die sich komisch verhalten, usw.) und so blieb man unter sich. Da man sich zu Anfang aber auch nicht so gut kannte, merkte man später erst, wie man doch einige Menschen dieses Rudelsbevorzugte, weil man eben nicht mit jedem gleich gut auskommt. Und so kommt es nach und zu Reibereien. Uns ging es dann irgendwann so: wir gingen abends etwas trinken, ich war voll wie eine Haubitze und machte einen dummen Witz, ein Weibe rastete aus und schrie und pöbelte. Wir hätten uns ja sowieso nie leiden können und die aderen würden mich auch gar nicht mal so sehr mögen, sie würden mich alle nur tolerieren. Ich habe mich köstlich amüsiert, Pegel sei dank. Aber es hat auch niemand etwas dagegen getan. Am nächsten Tag erzählte ich einigen anderen davon und fragte, ob an den Behauptungen etwas dran sei. Natürlich nicht. Jedoch war auch niemand empört, aufgrund der wilden Behauptungen und der Tatsache, das dieses Weibe spontan für alle sprach. Das Ende vom Lied: alle waren nach wie vor nett und freundlich zu mir und manche trafen sich weiter mit mir, wenn dann jedoch die Gruppe etwas zusammen unternehmen wollte… tja, da war ich raus. Dumm gelaufen. So viel zur tollen Gruppe und zum Zusammenhalt.

Was lernen wir daraus? Solche Gesellschaftsgebilde sind nett und gut aber letztendlich sollte man sich immer noch nach anderen Leuten umschauen. Sehen wer wirklich zu einem passt und mit wem man wirklich befreundet ist. Dann sitze ich halt lieber mit 2-3 Leuten da, die auch zu mir halten, wenn es mal richtig schlimm läuft, als das da 50 sind, die mich ganz ok finden, aber sofort fallen lassen, wenn auch nur ein Hauch von Ärger in der Luft liegt. Also vielleicht doch lieber mit zum Erstiwochenende, wer weiß, wen man da noch entdeckt.

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