Geburtstagsreste

Vor einiger Zeit war mein Geburtstag. Die Frau, die ich begehre, sagte erst zu, dann ab und letztendlich brachte sie es nichtmal fertig, mir persönlich zu gratulieren, obwohl sie 3x etwa 5 Meter neben mir vorbei lief. Meine Stimmung war im Keller, ich wollte nicht feiern, tat es doch und einige gute Menschen schlossen sich an.
Doch darum soll es nicht gehen. Eher geht es um eins der Geschenke. Ich bekam nämlich eine Karte für ein Konzert einer Band namens boysetsfire. Helden meiner Jugend. zuletzt erlebte ich sie live, vor ungefähr 10 Jahren. eine der großartigsten Hardcorebands der Welt. Immer politisch, immer emotional. Melodisch, aggressiv, sympathisch. Gute Menschen eben.Die letzten Wochen war ich emotional sowieso schon am Ende, hatte, dank des ständigen Wetterumschwungs, fiese Kreislaufprobleme und dazu noch eine leichte Erkältung. So saß ich letzten Freitag also in der Uni, lauschte stundenlang Präsentationen und die Welt drehte sich immer mal wieder. Selbstverständlich dreht sich die Welt ohnehin die ganze Zeit, aber für mich bekam sie etwas Extradrall. Nach Feierabend also los, zum Fahrzeug. Wir sollten zu viert fahren, ein Jüngling sagte aber im letzten Moment ab, wir fanden noch kurzfristiger Ersatz („Wann geht es los? Hab ich noch 15 Minuten?“), mussten diesen aber noch abholen und kamen dadurch schonmal zu spät los. Nach Luxemburg ist es ja nicht weit, schaffen wir schon! Dann: Stau. Allgemeine Panik. Aber das schaffen wir schon noch! Dann: falsche Autobahnausfahrt. Mehr Panik. Aber wenn wir schnell wenden und zackig wieder auf die Autobahn kommen, geht das noch irgendwie! Dann: das Auto macht beim Wenden gar schrecklich Geräusche und verendet halb auf der Straße, halb in einer Garagenauffahrt. Wir schieben noch einen Meter, die anderen Autofahrer sind empört und hupen wie die Irren. Totale Panik. Ich stürze in ein emotionales Tief vom Ausmaße des Marianengrabens. Passt ja nur zu gut, das mir auch das letzte Bischen Geburtstagsfreude genommen wird. Wir rufen den ADAC und ein Taxi. Unsere liebe Fahrerin opfert sich für die Mission und bleibt zurück. Der Rest des Weges ist zum Glück kurz, wir kommen an der Halle an. Die Band spielt schon. Wie sich herausstellt, muss die Vorband recht lang gespielt haben und auch die Umbaupause war wohl überdurchschnittlich lang. Boysetsfire spielten gerade das 2. oder 3. Lied des Abends. Ich stehe da, bewege mich kaum, sauge das Geschehen in mich auf. Der Stress, das Elend, alles Negative fällt von mir ab. Ich möchte zusammenbrechen und weinen. Es folgen 90 Minuten Glückseligkeit, bei jedem ruhigeren Lied den Tränen nahe. Einige andere Mitstreiter reisten in einem anderen Auto an. Der Fahrer erklärte sich bereit, zweimal zu fahren. Gute Menschen. Guter Abend. Trotz aller Startschwierigkeiten. Vielen lieben Dank, war der Geburtstag doch nicht ganz für den Arsch.

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