特撮

So! Also heut großer Konzertag. Er endete damit das ich in der überfüllten Bahn stand, aussah als wär ich gerade aus dem Pool gekommen und entsprechen von den anderen Fahrgästen begutachtet wurde. Angefangen hat es damit das ich nachmittags gemütlich los gefahren bin. Der Plan sah vor in die Stadt zu eiern, dort noch ein Paar Runden zu drehen und dann zeitig beim Club anzukommen. So weit gab es auch keine Probleme. Angekommen, Musikinstrumente angesehen, CDs angesehen, noch durch das ein oder andere Geschäft getingelt und dann so gegen 17 Uhr hoch in den 8. Stock. Manch einen dürfte die Uhrzeit verwirren aber wenn man bedenkt das hier die letzten Bahnen so gegen 0 Uhr fahren und die Menschen gern eben diese Züge erreichen möchten, ist es nur logisch Konzerte eben so früh anzusetzen.

Auf meine Ankunft folge erstmal das übliche gestarre. Rückblickend betrachtet war ich vermutlich tatsächlich der einzige Ausländer da (also zumindest von denen, denen man das sofort ansieht). Laut Plan sollte Einlass dann um 18 Uhr sein, Konzertbeginn 19 Uhr. Erfreulicherweise öffnete man die Türe aber schon und 17:30 und auch wenn ich die Ansage des Türöffners nicht wirklich verstand siegte der herdentrieb und ich stellte mich in die Schlange. Wie sich herausstellte durfte man erstmal nur an den Merchandisestand aber das ist ja auch super und so kaufte ich unter anderem eben ein T-Shirt. Man kann ja nie wissen in welcher Verfassung das ist, was man gerade an hat, wenn das Konzert vorbei ist. Da gabs ja schon die wildesten Sachen. Dann gings also wieder raus, weiter warten. Doch auch diese Warterei dauerte nicht lange denn wieder wurde eine Türe geöffnet und wir alle hineingewunken. So folgte ich also der Masse durch den Notausgang ins Treppenhaus. Totale Verwirrung. Ich sah mich ein wenig um und überall auf den Trppen versammelten sich kleine Grüppchen und an den Wänden hingen Zettel „1-100“, eine Treppe weiter „101-200“ usw. Ich ahnte schreckliches, sah auf meine Karte und da stand 331. Nochmal kurz jemanden gefragt, was ich zu tun habe und ja, man stellt sich wohl in der Reihenfolge an, in der die Karten gekauft wurden. Anschließend wurden wir in 5er Gruppen aufgerufen und durften rein. Ab zum Kartenabreißer und nochmal 500 Yen für das „Freigetränk“ bezahlen (und ich dachte eigentlich das wär schon im Kartenpreis drin gewesen…). Immerhin hatte sich wohl ein Großteil der 330 Menschen, die vor mir rein kamen, auf den Merchandisestand, die Theke und den hinteren Teil des Clubs verteilt, so daß ich tatsächlich gemütlich in vorn in die Mitte gehen konnte (keine 5 Meter, genau mittig vor der Bühne, die kaum höher war als der Rest des Clubs) und wie der Henry schon vermutete waren alle vor mir etwa einen Kopf kleiner als ich. Also optimale Sicht.

Als musikalische Untermalung des ganzen gabs dann endlos Motörhead. Das macht ja eine Weile Spaß aber fängt doch recht bald an zu nerven. Der Platz um mir war dann auch ganz schnell vollgestopft mit Menschen. Ich muss raten aber es waren vielleicht insgesamt um die 500-600 Leute da. Und natürlich starrten sie. Es war wirklich niedlich zu beobachten wie sie ihre Köpfe drehten, um sich umzusehen, und dann ruckartig ein Stück zurück sprangen um nochmal genau zu inspizieren, was denn da für einer steht. Ein Mädel, das ganz furchtbar schielte, hatte da wohl ganz enorme Probleme mit und musste die Äuglein noch zukneifen und reiben um zu glauben was sie sah. Ich hab mich ebenso ein wenig umgesehen und ich hab sonst höchstens auf irgendwelchen Festivals so ein bunt gemischtes Publikum gesehen. Kleine Mädchen, alte Rocker, Büroangestellte, die gerade noch rechtzeitig  von der Arbeit flüchten konnte, Tussys mit falschen Fingernägeln und 5 Pfung Make-up im Gesicht, klischee Otakus, Mädchen mit Cannibal Corpse T-Shirts, ältere Frauen mit lustigen Tierchen auf dem Top, die üblichen Jungs mit Bandshirts usw. usw. Also bin ich weder Kleidungstechnisch (im hübschen Scumbucket-Shirt) noch im Altersschnitt weiter aufgefallen. Der Kopf reichte da aber wohl.

Es folgte ein Blick auf die Instrumente:

Roland Keyboard (darunter ein für mich nicht weiter definierbares Klavier), Gibson und Warwick Bässe, eine Gibson Akustikgitrarre, Hamer und PRS Gitarren (dazu noch einige von mir nicht bekannten Herstellern bzw. ohne Namen auf der Kopfplatte aber unter anderem eine hübsche 7-Saiter) und eben dieser toll blau leuchtende Diezel-Verstärker…

Fast pünklich um 19:05 kam also die Band auf die Bühne getobt und das Publikum tobe mit. Es tobte etwas anders als es bei uns üblich wäre aber man begann mit klassischem Gedrängel und Gehüpfe. Aber nichts mit Pogo oder so, alles recht gesittet. Dazu reckte man die Faust gen Himmel, fuchtelte sonstwie mit den Händen rum, schwang das Haar, schrie, gröhlte und sang (ich glaube vor der Bühne war ich der einzige der nicht JEDEN Text auswendig kannte). Das alles natürlich möglichst synchron. Japaner haben da anscheinend ein inneres Bedürfnis dazu. Manch einer kennt das ja von Konzertaufzeichnungen auf DVD oder im Internet. Und glaubt es mir, es ist sehr bizarr, wenn man da drin hängt und plötzlich die ersten dröfzig Reihen gleichzeitig vor und zurück schwingen, um zu headbangen.

Die Setlist war dann etwas anders als erwartet. Man begann mit etwas vom neuen Album und ich hatte mich da schon damit abgefunden das ich vermutlich das halbe Konzert über Lieder hören werde die ich noch nicht kenne. Jedoch blieb es bei 3 oder 4 neuen Songs. Im Nachhinein hab ich mir mal die Tracklist vom Album angesehen und siehe da: 5 von 13 Tracks sind neue Versionen alter Stücke! Also gabs wohl doch einiges mehr von der Platte nur hab ich das eben nicht gemerkt. Somit war das jetzt aber vermutlich auch das erste Konzert meines Lebens, wo wirklich jedes Lied, das ich hören wollte, auch gespielt wurde. Dazu gabs als kleine Überraschung noch einige Lieder von dieser Sayonara Zetsubou Sensei-Platte, die der Kenji 2008 gemacht hatte (Rumba rumba rumba…). So dauerte der ganze Spaß etwa 2 1/2 Stunden und es gab nichts zumeckern. Der Sound war natürlich auch prima, nur bei 2-3 Liedern war vielleicht der Gesang ein klein wenig zu leise.

Sonstige Highlichts:

– der werte Herr Ootsuki hat in einer Tour geschnieft, geschnoddert und gerotzt (wurde natürlich alles brav in einem Berg Taschentüchern versteckt) und musste zwischendurch mal von der Bühne rennen, weil es wohl unzumutbar war, uns sehen zu lassen wie er in sein Taschentuch spuckt. Alte Rotzeule…

– der Klaviermensch spielte ein Lied mit Katzentatzen und hat dabei vermutlich jedesmal 4-5 Tasten gleichzeitig getroffen

– ebenfalls der Klaviermensch zog sich nach der kurzen Pause vor der Zugabe ein Bandshirt an, musste da aber nach dem ersten Lied wieder raus, weil ihm das zu klein war (der hat wohl so etwa meine Figur). Sein Kummer war berechtigt, nur eins von den vier Shirts, die sie hatten, gabs in XL.

– es gab ewige Ansagen, die ich natürlich längst nicht komplett verstandenhabe, die aber trotzdem höchst spaßig waren. Wenn ich das richtig mitbekommen habe hat er unter anderem Narasaki damit aufgezogen, das der Aushilfsbassist einen von Gibson hat und er nicht. Daraufhin hat er sich noch ganz stolz seine Gibson Akustikklampfe bringen lassen, ein wenig kekackt rumgeklimpert, einen Lachanfall bekommen und das Ding wieder wegbringen lassen. Wird halt was anderes gespielt. Aber meist hat der gute Mann einfach mal so schnell und undeutlich geredet, das ich nichts gerafft hab. Ein prima Entertainer scheint er mir trotzdem zu sein.

Und so zelebrierten fünf nicht mehr ganz taufrische Herren Albernheit und Chaos auf der Bühne. Doch auch dieser Spaß hat irgendwann ein Ende und da standen wir so da. Die ersten Reihen. Völlig verschwitzt, stinkend und glücklich. Die, die vorher starrten lächelten nun freundlich und alles war schön. Also ab zur Bar und das „Freigetränk“ abholen. Ich wollte ja eigentlich Wasser aber das war wohl gerade aus und da keine Karte in Reichweite war und von hinten die Massen drängelten bestellte ich das gleiche wie alle anderen auch: Bier. Und es schmeckte sogar. Und es erfrischte. Also schnell weiter zur Toilette, wo ich eigentlich mein durchtränktes T-Shirt gegen das neue tauschen wollte. Doch Überraschung! Die haben natürlich hier nur Kindergrößen und XL entspricht etwa deutschem L und ich sah aus wie eine Presswurst. Pitsche patsche nass wie ich war bin ich da natürlich kaum wieder raus gekommen und so stand ich dann nachlangem Kampf wieder im nassen Scumbucket-Shirt im Club, drehte noch ein paar Runden und machte mich auf zur Bahn. Und da wären wir auch wieder am Anfang. Nass und stinkend in der überfüllten Bahn heimwärts.

Hat sich aber allemal gelohnt. Sicherlich eins der fabulösesten Konzerte überhaupt (wobei es halt immernoch den Bonus hat, das Erste hier drüben gewesen zu sein) und hoffentlich nicht das letzte, das ich mir hier anschauen werde.

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